Familiengeschichte

 

 

Sehr geehrter Kunstfreunde,

 

Die wirtschaftliche Depression nach dem 1. Weltkrieg treibt den jungen Hamburger Kaufmann Fritz Nauert in die Ferne: „CHINA“ ist das Land seine Träume.

Fast zur gleichen Zeit aus ähnliche Umständen, bei der bekannten Schwimmerfamilie Ohlwein in Essen im Ruhrgebiet, lässt die älteste Tochter Emilie mit 21 Jahren beschließen, ebenfalls ihre Glück in der Fremde zu suchen: „CHINA“- das klingt nach dem Eldorado, und könnte Hilfe und Unterstützung für die Familie mit 7 Kindern in der alten Heimat bedeuten.

 

China zu Beginn der 20-iger Jahre, noch vor den mittelalterlich anmutenden Feudalstrukturen der soeben vergangenen Qing- Dynastie der Manchus nachhaltig geprägt.„Warlords“- Kriegsherren sichern sich ihre Provinz, ihren Bezirk, Ihre Pfründe. Jede Reise ein Abenteuer für sich- eine weiße Frau wirkt wie eine übersinnliche Erscheinung für die Chinesen im Inneren des Riesenreiches; überhaupt, wenn sie als erste Europäerin den Jangtsekiang mit über 4 km Breite schwimmend quert. Hier begegnen sich die beiden - Fritz und Emilie- und beschließen, das Schicksal gemeinsam in die Hand zu nehmen.

 

Der Erfolg stellt sich nach kurzer Zeit ein; Industrieunternehmen, Handelshaus, Werksvertretungen, Sammlungen chinesischer Kunst - In dieser Umgebung wird 1942 in Qingdao (Tsingtau) im ehemaligen kaiserlich-deutschen Pachtgebiet und Marinestützpunkt Kiautschou- gelegen in der Shandong- (Shantung) Provinz am ostchinesischen Meer und am Fuße des Lao-Shan-Gebirges mit dem Geburtsort des Philosophen und Religionsbegründers Konfuzius, Dierk Nauert geboren und wächst in dieser Umgebung auf.

 

Ende der 40-iger Jahre die kommunistische Revolution mit dem Sieg Mao Tse-tungs und der Vertreibung der Auslandsdeutschen und andere Ausländer.

 

Rückkehr in das vom Krieg zerstörte Hamburg und in weiterer Folge Übersiedlung 1958 nach Baden bei Wien. Matura in Wien und Erlangen der österreichischen Staatsbürgerschaft. Nach Bundesheer mit Abschluss als Leutnant der Artillerie d. Res. , Eintritt in das China-Handelshaus Fuhrmeister & Co. in Hamburg und Besuch der Außenhandelsakademie. Industrie- und Bankpraktiken runden die Ausbildung ab und führen 1968 zum Auslandsengagement für das renommierte Bremer Handelshaus C. Melchers & Co in der Niederlassung in Hongkong. Hong Kong 1968- Höhepunkt der chin. „Großen Proletarischen Kulturrevolution“. „Rote Garden“- und nur einer Handvoll „Langnasen“ ist es erlaubt, mit dem Chinesen Handel zu treiben. Heutige Fahrten in das „Reich der Mitte“ unter teils abenteuerlichen Umständen. Vor jeder Verhandlung Studium und Rezitation der Werke Mao’s  aus der „Roten Bibel“. Gestürmte Museen, geplünderte Tempel und Paläste- wir tragen zusammen an Kunstwerken und Kulturgut, was immer wir habhaft werden. Verschiffung auf Segeldschunken den Perlfluss hinab nach Hong Kong- die Idee zu einer Kunsthandlung entsteht.

 

Neben der geschäftlichen Entwicklung- Persönliches: 1968 -Kennenlernen von Frl. Linda Weber in Hong Kong. Sie stammt aus einer alten Bauern- und Handwerkerfamilie aus einem Dorf in niederösterreichischen Tullnerfeld und gelangt nach Sprachstudien in England und Frankreich und Eintritt in der diplomatischen Dienst, 1966 als Sekretärin des österreichischen Generalkonsuls nach Hong Kong. Gemeinsames Interesse für die chinesische Kultur und Kunst, Heirat 1970, Studienreisen nach Macau, Kambodscha, Burma, Thailand, Nepal, Indien- und die Idee ursprüngliche ostasiatische Kunst in Wien zu präsentieren, nimmt weitere Formen an. 

 

Seit September 1970 das Geschäft im 1.Wiener Bezirk in der Stallburggasse 2, in einem wunderschönen geschichtsträchtigem Jugendstilbau

( u.A. wohnten hier der Philosoph Wittgenstein, Bundeskanzler Dollfuss, die Sängerin Jeriza) und rege Messetätigkeit bei allen einschlägigen Kunst- und Antiquitätenmessen Österreichs: Salzburger Residenz, Wiener Messepalast und Hofburg, Kursalon, Graz, Linz, Innsbruck, Sonderausstellung Asiatika im Schloss Grafenegg, Niederösterreich, 1990 Gründungsmitglied des Verbandes österr. Kunst- und Antiquitätenhändler, Wegbereiter ostasiatische Kunst in Österreich. Daneben Ausbau des Außenhandelsgeschäften mit der Volksrepublik China. 

Auch hier sind wir Pioniere der 1. Stunde. Bis zu 6 Reisen im Jahr; Kontakte zu allen Staatshandelsgesellschaften und Ministerien, Teilnahme an der erste österr. Industrieausstellung Peking 1974 und an zahlreichen offiziellen Wirtschaftsdelegationen nach China, Teilnahme an der Delegation des Bundeswirtschaftskammer in die VR-Mongolei, Ulan Bator 1979, mit Abschluss des ersten Handelsvertrages zwischen beiden Ländern. Insgesamt große Exporterfolge für die österreichische Wirtschaft, speziell für die Metallindustrie.

Ihn Gegengeschäft, und durch die hervorragenden Kontakte, gelingt es uns immer wieder,  Kunstwerke und Antiquitäten zu erstehen, Ausgefallenes und Seltenes zu finden, und dem Wiener Publikum zu präsentieren. Nach über 30-jährigen wirtschaftlichen Verflechtungen und freundschaftlichen Beziehungen sind wir für die Chinesen „Lao Ponjo“-  „alte Freunde“ und Dierk Nauert in China bekannt als „Lao Huli“ , der alte Fuchs und als der „weisse Chinese“.

 

Die Liebe zur chinesischen Kultur und zu chinesischen Volk, ungeachtet der politischen Entwicklung, lassen uns auch in Zukunft unser Geschäft nicht als momentane Modeerscheinung sehen, sondern als beständigen Beitrag zur Wiener Kunst-, Kultur- und Auktionsszene.

 

 

Herzlichst Ihre

 

Familie Nauert

Dierk & Linda Nauert
Dierk & Linda Nauert